Evangelische Kirche im Süden Anhalts

Jahreslosung 2021

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Lukas 6,36

Andacht

Monatsspruch Dezember 2021
Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. (Sacharja 2,14)

Zugegeben, meine achtjährige Nichte ist manchmal ganz schön anstrengend. Bei Allem, was sie lernt, sieht und erklärt bekommt, fragt sie: „Warum“? Natürlich kommt dieses „Warum“ auch dann prompt, wenn ich mit ihr über Advent, Weihnachten, über das Jesuskind und der darin begründeten ganz besonderen Liebe Gottes zu uns Menschen spreche. Warum feiern wir Weihnachten? Christen werden hoffentlich antworten: Jesus Christus wurde geboren, dies feiern wir, weil Gott Mensch wurde und uns nahegekommen ist. Nichtchristen werden andere Erklärungen für Weihnachtsfeiern und Weihnachten schlechthin haben. Aber, so manche Frage meiner Nichte bringt mich mitunter in Erklärungsnot. Als sie mich fragte, wie Weihnachten vor der Geburt des Jesuskindes war. Meine Erklärung, dass es davor gar kein Weihnachten geben konnte, weil Weihnachten sich genau auf die Geburt Jesu und das Handeln Gottes bezieht und sich daraus speist, befriedigte sie nicht. „Warum?“. Weil vor unserem Weihnachtsfest, vor der Geburt des Heilandes die Menschen gehofft, gewartet, gebetet hatten, dass Gott selber doch eingreife in die zerstrittene, von Machbesessenheit gekennzeichnete Welt. Dass Gott selber ein Zeichen setze, einen Neuanfang schaffe durch seine Gegenwärtigkeit in der Welt. Genauso, wie er es in den Schriften unseres Alten Testamentes angekündigt hat. Ja, dieses „Warum“ meiner Nichte ist mitunter herausfordernd oder auch nur nervend. Am liebsten würde ich ihr manchmal antworten: „Weil es nun mal eben so ist – Punkt!“. Doch, haben wir nicht schon genug von diesen: „Weil es nun mal so ist – und Punkt“? Wer hinterfragt schon, was wir da, nahe des Jahresendes, eigentlich jedes Jahr feiern und warum wir es tun? Zur Zeit des Propheten Sacharja (etwa um 530 v. Christi Geburt), aus dessen Prophetenbuch unserer Monatsspruch für den Monat Dezember stammt, war die Sache hingegen ganz klar. „Warum?“ Weil es eine biblische Verheißung Gottes gab, die da heißt: Freue Dich, sei fröhlich, Du Volk Gottes, denn Gott selber will bei Dir wohnen. Gott will allen Menschen nahe sein. Wer auf die Prophezeiungen des Sacharja und vieler anderer Propheten hörte, für den war es selbstverständlich: Gottes Verheißung wird wahr werden. Irgendwann! Dies allein war ein guter Grund zu großer Freude und Hoffnung. Um wie viel größer kann doch unsere Freude heute sein! Denn Gottes Verheißung ist seit gut 2000 Jahren Wirklichkeit. Er hat seine Zusagen an die Menschen wahr gemacht. Exakt so, wie er es zuvor durch den Mund der Propheten versprochen hat. Er handelt an uns, dass wir, inmitten einer 4. Coronawelle zwar evtl. keine Weihnachtsmärkte haben können, aber immer die Gewissheit: Gott ist mitten unter uns- weil Gott Mensch geworden ist. „Warum?“ Weil Er uns liebt!

Eine besinnliche Advents- und eine frohe Weihnachtszeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Michael Schedler